Diagnose: Post-Erasmus-Depression

>> Exchange isn't just a year in your life. It's a life in a year. >> Wahrscheinlich ist dies eines der Erasmuszitate, welches man erst versteht, wenn man sich auf dem Campus einer fremden Universität auf der Suche nach dem Vorlesungssaal verirrt, das Mensa-Essen trotz Warnung der neuen Kommilitonen doch einmal ausprobiert und eine typische Freitag-Abend-Wohnheimparty mit den anderen Austauschstudenten mitgemacht hat. Fremder Ort, fremdes Land, fremde Leute und fremde Sprache – Angst? Keineswegs! Wenn Abenteuerlust, Neugierde und Fernweh winken, geben viele Studenten dieser Verlockung nach und wagen den Schritt ins Auslandssemester.


Seit Beginn des Erasmus+ Förderungsprogrammes in 2014 haben schon über 2 Millionen Studierende dieses einmalige Stipendienprogramm der Europäischen Union in Anspruch genommen, um sich den Traum vom Auslandsaufenthalt zu erfüllen – Tendenz steigend! Dank der guten Zusammenarbeit zwischen den Universitäten und der Europäischen Union verläuft der Bewerbungsprozess unkompliziert, die Studienleistungen werden problemlos anerkannt und die Betreuung vor, während und nach des Auslandsaufenthaltes ist auch abgesichert.

 

Dies bezieht sich jedoch nur auf die finanziellen und fachlichen Aspekte des Aufenthaltes. Was einem vor einem Erasmus-Semester nicht gesagt wird: es gibt Spätfolgen - besser bekannt als Erasmus Blues oder Post-Erasmus-Depression.

 

Doch wie fühlt es sich an das Nach-Hause-Kommen nach einer längeren Zeit im Ausland? Kennst du das Gefühl gerade auf einer Achterbahn gewesen zu sein? Das Adrenalin pumpt noch durch deine Adern, du bestehst fast zu 100% aus Endorphinen und könntest gleich nochmal eine Runde fahren? So geht es den meisten Erasmus-Studenten nach dem Aufenthalt, denn schnell macht man die Erfahrung >> it’s so much easier to say hello, than goodbye. <<

Doch was ist charakteristisch für eine Post-Erasmus-Depression?

  • Du erzählst jedem von deinem Aufenthalt und den wildesten Erlebnissen der vergangenen Monate
  • Du vermisst deine Erasmus-Clique 24/7 und im What’s App Gruppenchat sendet ihr euch ewig lange „Ich vermisse euch“-Nachrichten
  • Dein Instagram Account und deine Facebook Timeline sind voller Fotos der letzten ESN und Wohnheim Partys, gemeinsamen Ausflügen und Reisen und International Running Dinners  
  • Wörter, die einem Mix aus Deutsch, Englisch und der Sprache deines Gastlandes gleichkommen gehören jetzt zu deinem Vokabular
  • Du musst dich dazu aufraffen, endlich den obligatorischen Erasmus-Erfahrungsbericht an deiner Universität einzureichen, da du weißt, dass es mit der Abgabe dieses Dokumentes endgültig „vorbei“ ist
  • Du schaust online schon nach dem nächsten Flug/Bus/Zug/Transportmittel, welches dich zurück an den Ort des Geschehens bringt und verabredest Reisen mit deiner Erasmus-Clique quer durch Europa 

Die Zeit im Ausland ist mit so vielen neuen Emotionen, Freundschaften, ständigen Entdeckungen und Reisen gefüllt, dass sich das Nach-Hause-Kommen schwieriger anfühlen kann als das Gehen. Was folgt ist Ernüchterung. Ähnlich einer richtigen Depression empfinden Studenten zunächst eine innere Leere und Antriebslosigkeit. Wo sind nur die spannenden Teile des Tages geblieben? Um dich nicht länger wie ein Fremder im eigenen Land zu fühlen, gibt es ein paar nützliche Tipps,  wie du dich vom Erasmus Blues befreien kannst.

 

1.    Finde dein Gleichgewicht zwischen Pre-Eramsus, On-Erasmus und Post-Erasmus

Nicht alles zuhause ist langweilig und schlecht und nach Hause zu kommen bedeutet auch, ein tolles Abenteuer im Gepäck mitzubringen, welches man unbedingt mit anderen teilen sollte. Werde dir darüber bewusst, was du vor deinem Erasmus-Aufenthalt zuhause gerne gemacht hast, und nehme diese Aktivitäten wieder auf.  Dienstagabend Training beim städtischen Fußballverein? Donnerstagnachmittag Klavierstunden in der Musikschule? Samstagabend mit Freunden ins Kino? Super! Vielleicht hast du auch in deinem Erasmussemester ein neues Hobby entdeckt, welches man auch in der Heimat fortführen kann.

 

2.     Pflege deine Freundschaften

Ein Auslandssemester kann alte Freundschaften auf die Probe stellen. Manche Freundschaften werden daran zerbrechen andere erneut aufblühen. Wichtig ist, dass man diese Freundschaften pflegt und wieder viel Zeit mit den alten Freunden verbringt. What’s App und Facebook Nachrichten mögen im Auslandssemester tolle Wege gewesen sein, in Kontakt zu bleiben, aber jetzt, wo man wieder vor Ort ist, ist es an der Zeit, das Leben vor der Haustür zu genießen. Natürlich musst du deine neuen Freunde nicht vergessen und wer weiß, vielleicht sieht man sich in naher Zukunft wieder.

 

3.     Werde Erasmus-Botschafter an deiner Universität

Deine Freunde zuhause können deine Erasmus-Abenteuer schon im Schlaf nacherzählen? Dann brauchst du definitiv ein neues Publikum! In jeder Universität gibt es  studentische Organisationen die Teil des ESN Netzwerkes sind und Erasmus+ und anderen ausländischen Studenten, sprich den „Incomings“, den Start an der neuen Universität erleichtern und als Ansprechpartner für interessierte „Outgoings“ sind. Somit lernst du nicht nur interessante neue Leute deiner Heimatuniversität kennen, sondern kannst deine Erfahrungen auch mit anderen Studierenden teilen.

 

4.     Lass dich wieder vom Fernweh packen

Das nächste Abenteuer wartet schon! Nur weil dein Erasmus-Semester jetzt zu Ende ist und du in deinen gewohnten Alltag zurück kehrst, heißt es nicht komplett auf zukünftige Auslandserfahrungen verzichten zu müssen. Egal ob man den lieb gewonnen Erasmus-Freunden einen Besuch abstattet, an einer Studienreise der Universität teilnimmt oder die Semesterferien für Städtetrips und andere Entdeckungstouren nutzt, das Reisen hört nicht auf! Und wenn sich die Möglichkeit ergibt: kehrt in die Stadt zurück in der ihr euer Erasmussemester verbracht habt, es wird sich unglaublich anfühlen!

Wenn man längere Zeit in Rahmes seines Studiums im Ausland verbracht hat, kann man mit Gewissheit sagen, dass einen diese Zeit als Person in vielen Weisen neu definiert hat. Grenzen austesten, neue Leute aus aller Welt kennenlernen, selbstständig sein – Erasmus ist nicht nur eine fachliche Bereicherung und deswegen nimmt man als Student die Spätfolgen eines Erasmus Blues auch gerne in Kauf.

Informationen zur Autorin: Katharina Neumann (20),  Junior Online Marketeer bei StudentJob Deutschland und ehemalige Erasmus-Studentin in Rouen, Frankreich