Der Weg zum ersten Staatsexamen

Der Weg zum ersten juristischen Staatsexamen hat viele Hürden. Die durchschnittliche Durchfallquote allein im Examen selbst liegt bei rund 30 %, zusätzlich scheitern viele Studierende bereits vorher. Wie ihr den Weg zum ersten Staatsexamen erfolgreich bestreitet, erfahrt Ihr hier:

Foto via Unsplash.com
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Die Hürden des Jurastudiums

1. Die Zulassung zum Studium

Der Studiengang Rechtswissenschaft mit dem Abschluss Staatsexamen ist ausschließlich an Universitäten möglich, weshalb als Zugangsvoraussetzung grundsätzlich das Abitur oder die fachgebundene Hochschulreife gefordert wird. Dennoch erfreut sich das Jurastudium eines großen Interesses, weshalb die Zulassung an einigen Hochschulen durch einen Numerus clausus (NC) beschränkt ist. Dies bedeutet, dass eine bestimme Abschlussnote im Abitur benötigt wird. Der NC wird jedoch jedes Semester neu berechnet, da er sich sich nach der Anzahl der Bewerber richtet.    

 

2. Die Zwischenprüfung und die "kleinen Scheine"

Die ersten vier Semester, das sogenannte Grundstudium, sind geprägt von der Zwischenprüfung, die erste große Hürde. Ein Scheitern bedeutet nämlich die automatische Exmatrikulation. Das Fortführen des Jurastudiums in Deutschland ist dann nicht mehr möglich.

 

Ablauf und Anforderungen an die Zwischenprüfung regelt jede Universität in einer eigenen Zwischenprüfungsordnung, mit der Folge, dass es erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Universitäten gibt. Üblich ist jedoch die sogenannte Sukzessivprüfung. Dies bedeutet, dass verschiedene sogenannte kleine Scheine zum Bestehen der Zwischenprüfung benötigt werden. Diese Scheine werden zunächst dadurch erworben, dass eine bestimmte Anzahl von Semesterabschlussklausuren aus den Anfängervorlesungen und Anfängerübungen in den Bereichen Zivilrecht, Öffentliches Recht und Strafrecht bestanden werden. Daneben ist mindestens eine Semesterferienhausarbeit erfolgreich anzufertigen. Darüber hinaus ist regelmäßig mindestens ein kleiner Schein als Grundlagenschein zu erwerben, etwa in Rechtsgeschichte, Rechtsphilosophie oder Rechtsmethodik. Eine mündliche Prüfung findet hingegen in aller Regel nicht statt.

 

Ein weiterer wesentlicher Unterschied zwischen den verschiedenen Zwischenprüfungen der Universitäten ist die Widerholungsmöglichkeit der einzelnen Klausuren, sowie der Zeitpunkt zu dem die Wiederholungen stattfinden können.

 

3. Der Fremdsprachenschein

Ein weiterer Schein ist der Fremdsprachenschein, der zum Teil bereits für die Zwischenprüfung benötigt wird. Dieser Schein dient der Förderung der Fremdsprachenkompetenz. Hierbei legt wiederum die jeweilige Universität fest, welcher Leistungsnachweis zur Erlangung des Scheines erbracht werden muss. In der Regel wird dieser jedoch entweder im Rahmen einer fremdsprachigen rechtswissenschaftlichen Veranstaltung oder einem rechtswissenschaftlich ausgerichteten Sprachkurs erbracht. Die Experten von Talentrocket raten, den Fremdsprachenschein durchaus ernst zu nehmen, da im späteren Berufsleben in den meisten Positionen gute bis sehr gute Englischkenntnisse verlangt werden.    

 

4. Die Übungen für Fortgeschrittene und die "großen Scheine"

Neben der erfolgreichen Zwischenprüfung ist der Erwerb der sogenannten großen Scheine aus den Übungen für Fortgeschrittene in den drei großen Bereichen (Zivilrecht, Öffentliches Recht und Strafrecht) die wohl wichtigste Voraussetzung für die Zulassung zur ersten juristischen Staatsprüfung.

 

Die Zulassung zu den Übungen variiert von Bundesland zu Bundesland. Teilweise sind die kleinen Scheine in dem jeweiligen Fach ausreichend, teilweise wird das Bestehen der gesamten Zwischenprüfung verlangt. Ferner unterscheiden sich auch die Anforderungen an die Studierenden. Das Bestehen einer sogenannten großen Übung setzt in der Regel voraus, dass in einer Übung innerhalb eines Semesters sowohl eine Hausarbeit sowie ein bis zwei Klausuren bestanden werden.

 

Die großen Übungen setzen sich inhaltlich aus allen examensrelevanten Bereichen des in Frage kommenden Rechtsgebiets zusammen. Erfahrungsgemäß wird der für die Klausur erforderliche Stoff jedoch von vielen Professoren eingegrenzt.    

 

5. Die praktische Studienzeit

Eine weitere Voraussetzung für die Zulassung zur ersten juristischen Staatsprüfung ist die praktische Studienzeit. Dauer der einzelnen Praktika und Gesamtdauer der notwendigen praktischen Studienzeit variiert ebenso von Bundesland zu Bundesland. In der Regel bedarf es einer praktischen Studienzeit von rund drei Monaten, wobei ein einzelnes Praktikum mindestens drei oder vier Wochen dauern muss. Ebenso variieren die Bereiche, in denen die praktische Studienzeit absolviert werden muss.

 

6. Die Erste Prüfung

Die wohl größte Hürde bildet letztlich die sogenante Erste Prüfung (früher: Erstes Staatsexamen). Sie besteht nunmehr aus der staatlichen Pflichtfachprüfung sowie der universitären Schwerpunktbereichsprüfung. Aus den Ergebnissen der beiden Prüfungsteile wird im Verhältnis 70% zu 30% die Gesamtnote der Ersten Prüfung gebildet.

 

Die staatliche Prüfung konzentriert sich auf die jeweiligen Pflichtfächer (Zivilrecht, Öffentliches Recht, Strafrecht). Sie besteht aus sechs je fünfstündigen Aufsichtsarbeiten sowie einer mündlichen Prüfung. Die Prüfung des gewählten Schwerpunktbereichs erfolgt hingegen an der Universität, entweder durch eine fünfstündige Klausur sowie einer vierwöchigen Hausarbeit oder durch zwei fünfstündige Klausuren. Daneben erfolgt ebenso eine mündliche Prüfung.    

 

Tipps und Tricks zum erfolgreichen Bestehen des Staatsexamens

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in einer sorgfältigen Vorbereitung. Diese beginnt im Grunde bereits im Zuge der Bewerbung an den jeweiligen Wunschuniversitäten und zieht sich wie ein roter Faden durch das Studium bis zum Examen.    

 

1. Ist das Jurastudium der richtige Studiengang?

Das Jurastudium verlangt den Studierenden viel ab, insbesondere Disziplin und Durchhaltevermögen, aber auch ein breitgefächertes Interesse. Es ist deshalb besonders ratsam sich im Vorfeld genauestens darüber zu informieren, was auf einen zukommen wird, etwa auch durch den Besuch verschiedener einzelner juristischer Vorlesungen, um einen praktischen ersten Eindruck gewinnen zu können. Viele Universitäten bieten dazu auch einen Tag der offenen Tür an. Außerdem ist es ratsam, sich auszugsweise in einige Materien einzulesen, vor allen in solche Themengebiete, die einen weniger interessieren.

 

2. Die Wahl der richtigen Universität

Im Vorfeld gilt es außerdem die richtige Universität zu finden: besteht ein NC und bei welcher Note liegt er? Mit dieser wertvollen Information lassen sich unnötige Wartesemester vermeiden. Es ist aber auch sinnvoll, sich bereits zum Zeitpunkt der Bewerbung darüber zu informieren, welche Anforderungen an die Zwischenprüfung, an die Übungen für Fortgeschrittene und an das Examen gestellt, welche Schwerpunkte angeboten werden und wie viele Praktika man absolvieren muss.

 

Die wichtigsten Informationen zum Studium an der Wunschuniversität lassen sich in aller Regel in der Zwischenprüfungsordnung der Universität (regelmäßig auf der der jeweiligen Internetseite der Fakultät zu finden) sowie in der Prüfungsordnung des jeweiligen Landes finden. Darüber hinaus kann ein Besuch bei einer Studienberatung Licht ins Dunkel bringen.

 

3. Das erfolgreiche Bestehen der Zwischenprüfung

Die Zwischenprüfung ist zwar die erste größere Hürde, diese lässt sich mit einer ordentlichen Vorbereitung jedoch leicht nehmen. Dazu ist es noch nicht einmal zwingend notwendig, jede Vorlesung mitzunehmen, insbesondere dann nicht, wenn einem die Art und Lehrweise des Professors nicht zusagen. Wichtig ist allein, dass man sich mit dem jeweiligen Stoff ordentlich und tiefgehend auseinandersetzt. Je nach Lerntyp ist dies mit Lehr- und Fallbüchern genauso möglich, wie mit dem regelmäßigen Besuchen der Vorlesungen. Lehr- und Fallbücher sollten aber dennoch auch vorlesungsbegleitend verwendet werden. Außerdem ist es stets ratsam die angebotenen Arbeitsgemeinschaften zu besuchen. Nur durch ständiges Wiederholen des abstrakten Stoffes und der konkreten Anwendung an Fällen lassen sich Lücken im Stoff vermeiden, die im Nachhinein schwer zu stopfen sind.    

 

4. Das erfolgreiche Bestehen der Großen Übung

Die Übungen für Fortgeschrittene dienen der Vertiefung der Fallbearbeitung. Wer die Zwischenprüfung  bestanden hat, sollte mit den gleichen Strategien kaum bis keine Probleme mit den großen Übungen haben. Besonders empfehlenswert ist es jedoch, an den Übungen auch dann teilzunehmen, wenn man den erforderlichen Leistungsnachweis schon erbracht hat.   

 

5. Die Examensvorbereitung

Wer sich das gesamte Studium über ordentlich vorbereitet hat, sollte im Examen ebenso kaum bis keine Probleme haben. Die Universitäten bieten außerdem gezielte kostenlose Examensvorbereitungen an, die aus Examenskursen, Klausurkursen und Prüfungssimulationen bestehen. Davon unabhängig können die Studierenden kostenpflichtige private Repetitorien besuchen.

 

Die Examensvorbereitung ist vergleichsweise die langwierigste und anspruchsvollste Phase des Studiums. Es empfiehlt sich deshalb zusätzlich einen konkreten Lernplan aufzustellen, den man je nach Lerntyp alleine oder auch in einer Gruppe bestreitet.    

 

Der Weg zum ersten Staatsexamen hat viele Hürden und ist deshalb lang und schwer. Es ist also unerlässlich, sich von Anfang an auf die jeweiligen Herausforderungen vorzubereiten und konstant am Ball zu bleiben. Nur so lässt sich der Weg halbwegs angenehm bestreiten.

 

 

 

Dieser Artikel wurde von Sebastian M. Klingenberg verfasst, welcher an der JGU in Mainz Jura studiert hat, an der er auch derzeit promoviert (Jugend-/Strafrecht & Kriminologie). Nebenbei schreibt er freiberuflich Artikel, die auf Talentrocket.de oder seinem eigenen Blog zu finden sind.