Notlügen im Bewerbungsgespräch

Es klingt so absurd, aber mit welchen Fragen sich manche Bewerber auseinandersetzen müssen, geht auf keine Kuhhaut. Und das Schlimmste dabei ist, dass viele Personaler das Unwissen der potentiellen Kollegen in häufigen Fällen ausnutzen. Daher kommt hier ein kleiner Guide, auf welche Fragen ihr nicht antworten müsst - oder bei welchen ihr sogar lügen dürft.

via Pexels
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Das Bewerbungsgespräch: Womit muss ich rechnen?

Zuallererst sei gesagt, dass im Normalfall die Personaler wissen, was sie fragen dürfen und was nicht. Das ist allerdings kein Schutz davor, dass manche Recruiter das Unwissen der Bewerber ausnutzen und persönliche Fragen stellen, die in Deutschland sogar rechtswidrig sind.

 

Aber wie reagiert man nun auf solche Fragen? Und wann darf ich sogar lügen? Als erster Tipp gilt: Antwortet möglichst souverän! Denn wie heißt es so schön: "Keine Antwort ist auch eine Antwort." Wer mit einem sturen "Das geht Sie überhaupt nichts an!" zurückblökt, schmälert seine Chancen auf den Job - auch wenn das rechtlich gar nicht zulässig wäre. Folgend zeigen wir euch ein paar Fragen, die euch erwarten können und wie ihr bestenfalls reagiert.

Wann sind Notlügen im Bewerbungsgespräch ok?

"Und sind Sie oft krank?" - Notlüge ok!

Die Frage ist unzulässig.  Und auch, wenn ihr regelmäßig die erste Frühjahrsgrippe mitnehmt und der Heuschnupfen euch lähmt: Ihr dürft auch hier zu einer diplomatischen Notlüge greifen. "Ich habe Gott sei Dank ein sehr gutes Immunsystem und erfreue mich bester Gesundheit." Ausnahmen sind hier natürlich, wenn die Krankheit euch bei eurem nächsten Job einschränken würde. Sobald es also um chronische Krankheiten oder Allergien geht - ihr zum Beispiel gegen gewisse Chemikalien allergisch seid und euch auf eine Laborstelle bewerbt, oder eine Katzenhaar-Allergie habt und euch bei einer Tierarztpraxis bewerbt - müsst ihr die Wahrheit sagen.

"Und wie sieht es mit dem Kinderwunsch aus?" - Notlüge ok!

Die Frage ist unzulässig.  Diese Frage muss nicht beantwortet werden und es geht sogar einen Schritt weiter: Ihr dürft zu einer Notlüge greifen. Auch wenn ihr in absehbarer Zeit plant, eine Familie zu gründen, muss das im Vorstellungsgespräch nicht erwähnt werden und ihr dürft mit gutem Gewissen antworten: "Irgendwann will ich gerne Kinder, aber in den nächsten 3 Jahren möchte ich mich voll und ganz auf meine Karriere konzentrieren."

"Sind Sie vorbestraft oder haben Sie schonmal geklaut?" - Notlüge abwägen.

Die Frage ist bedingt zulässig. Auch wenn die Auskunft auf diese Frage in manchen Jobs nebensächlich wirkt: Es gibt Fälle, in denen ihr auf diese Frage ehrlich antworten müsst, wie zum Beispiel, wenn ihr euch als Erzieher bewerbt, jedoch vorbestraft seid wegen sexuellen Kindesmissbrauches. Aber das ist natürlich ein Härtefall-Beispiel. Wenn ihr allerdings im Teenage-Alter bei H&M geklaut habt oder mehrmals beim Schwarzfahren erwischt wurdet und es nicht eure neue Stelle tangiert, dürft ihr auch hier getrost antworten: "Ich bin sehr froh darüber, dass ich mir in meinem bisherigen Leben nichts zu Schulden kommen lassen habe." 

"Sind Sie schwerbehindert?" - Notlügen nicht erlaubt.

Die Frage ist zulässig. Die Frage klingt hart, ist aber rechtlich zulässig und darf gestellt werden. Dabei kann es auch sein, dass man euch eure Schwerbehinderung gar nicht ansieht oder anmerkt. Hier kann sich der Arbeitgeber gesetzlich sogar berufen auf den § 77 SGB IX, der sich auf die Ausgleichsabgabenpflicht bezieht.

"Haben Sie Grundwehr- oder Zivildienst geleistet?" - Notlügen nicht erlaubt.

Die Frage ist zulässig. Ob ihr Zivil- oder Grundwehrdienst geleistet habt, ist eine berechtigte Frage, die jeder Personaler stellen darf. Dabei geht es nicht darum zu erfahren, ob ihr eine Waffe bedienen könnt, sondern zum Beispiel darum, ob ihr im Ernstfall eingezogen werden könntet oder vielleicht euren Wehrdienst nach der Ausbildung erst noch antreten müsst.

Im Normalfall gilt: Hauptsache Nerven bewahren

Wenn ihr euch also nach dem Vorstellungsgespräch auf den Schlips getreten fühlt, versucht dran zu denken: Ihr müsst den Job nicht annehmen und habt das Recht, gegen rechtswidrige Fragen zu klagen. Im Normalfall gilt aber: Die Personaler wollen euch nicht bewusst fertig machen, sondern eher von vornherein Klarheit darüber bekommen, wer der potentielle nächste Arbeitnehmer werden könnte.

 

Wer übrigens Hilfe benötigt bei der Erstellung seines Lebenslaufs in der Bewerbungsphase, der kann sich jederzeit gerne bei uns melden. Schaut mal bei unseren Lebenslaufvorlagen vorbei oder nutzt unser Kontaktformular.